Erkenntnisse

Sind wir alle gleich?

Ich habe hier in Norge einen Job auf Abruf. Die letzte Woche haben sie mich Vollzeit die ganze Woche gebraucht. Dabei bleibt fünf Tage lang so ziemlich alles andere auf der Strecke. Nächste Woche habe ich frei, das ist ein Ausgleich, über den ich sehr dankbar bin. Bei mir ist es so, dass dauerhafte Vollzeitarbeit nichts für mich ist. Man gewöhnt sich natürlich ein Stück weit dran und dann nimmt man es mit der Zeit so hin (oder auch nicht, je nachdem), aber dann wird es so, wie ich es in einem anderen Beitrag der Kategorie „Erkenntnisse“ geschildert habe. Diese Woche hat sich zusätzlich eine Reihe an psychosomatischen Symotomen gezeigt, darunter Hautekzem, Kopfschmerzen, Verspannungen (alles alte Freunde). Also quasi sagt der Körper „Halloohoo?! Wenn du schon nicht dich selbst beachtest, dann sag wenigstens ich dir, was ich davon halte!“. Ich habe nun  nächste Woche frei. Ich lasse immernoch viele Kompromisse in meinem Leben zu, obwohl es schwierig für mich ist. Aber ich hole mir meine Ausgleiche dann sehr schnell und ausreichend. Muss ich auch, denn ch musste in meinem Leben sehr früh feststellen, dass ich nicht alles so machen kann wie es die meisten tun. Oberflächlich betrachtet könnte man annehmen, dass meine Frustrationstoleranz nicht so hoch ist wie bei anderen.

Ich stieß dann bei Deutschen oft auf Missverständnis oder Intolleranz. Bei Deutschen ist das Leistungsdenken sehr stark ausgeprägt. Sie steht in der Wichtigkeit oft höher als die Menschlichkeit. Was mit einer der Hauptgründe für meine Auswanderung war. Es war ein hartes Gefühl, alle zu geben, was man konnte, und dafür immernoch Kopfschütteln u.s.w. zu erhalten. Und auch ich selbst habe innerlich oft den Kopf geschüttelt darüber, wie andere so leben und es auch noch gut finden können, dass sie eigentlich kaum Zeit außerhalb der Arbeit haben und wenn sie dann frei haben, oft zu müde sind, um sich noch Gedanken über sich selbst zu machen. Für mich ist eine prozentuale  50 zu 50 Aufteilung Job – Leben gerade akzeptabel, aber nicht gerade der Brüller. Aber wir wissen ja, wie die Realität bei vielen aussieht. Diese Arbeitskräfte werden wohl gebraucht, um alles am Laufen zu halten. Und wenn drei Leute eine Aufgabe schaffen, obwohl sie dabei halb krepieren, dann stellt man aus den Unmengen an Arbeitslosen lieber keinen weiteren Helfer ein, es geht ja auch so, vor allem billiger. Und das zu viel produzierte Essen schmeissen wir einfach weg … Und wenn der Chef mehr Geld wittert, wird eben Überstunde gemacht und trinken und auf’s Klo gehen brauchen wir z.B. in Gesundheitsberufen auch nicht, wir lebem ja von der Dankbarkeit der Menschen. Hauptsache die Leute sind am Arbeiten. Nä? Wenn ich nicht so wenig Lust hätte, mich mit solchen Erinnerungen zu verschmuddeln, fielen mir jetzt noch mehr Beispiele ein, von denen jedem welche oder sogar alle bekannt vorkommen.

Aber wie dem auch sei, in Norge gibt es die Menschlichkeit, die ich in D-Land vermisst habe. Die Mitarbeiter achten untereinander nicht nur darauf, dass der andere pünktlich in die Pause geht. Das reicht in alle Bereiche hinein und liegt an der Grundeinstellung. In D-Land ist es z.B. eine geschätzte Angewohnheit, wenn man sich selbst hinter alles andere stellt. Am angesehensten bist du, wenn duam besten gar keine Pause machst z.B.. In Norge schaut man da lieber auf die ganzheitliche Gesundheit der Menschen. Da kriegst du einen gut gemeinten Anschiss, wenn du nicht rechtzeitig pausierst. U.v.m.

So unterschiedlich kann es sein unf die Aussage, dass es eben nicht anders ginge, ist damit bewiesenermaßen für den Ars*h.

Und sind wir alle gleich? In gewisser Weise schon. Wir haben gleiche Anlagen, aber wir haben unterschiedliche Entwicklungsstufen und -Ausrichtungen. Insofern ist die Annahme, dass jeder das gleiche leisten könne, ansonsten habdle es sich nur um Faulheit, nicht korrekt. Aber es ist eben nicht bei allen gleich mit der Tolleranzfähigkeit. Aha? Schon wieder was unterschiedlich. 😉

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. 🙂

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Eine Lebensweisheit aus meinem Leben – oder wie man sich selbst ins Knie schießt

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Es wird wieder ruhiger bei uns. Endlich wieder Zeit zum Denken. Das habe ich die letzte Zeit vermisst. Vielen geht es wohl so, dass sie es mögen, wenn sie sich in einer Beschäftigung selbst vergessen, der Kopf leer von Gedanken wird. Auch ich kenne diesen Flow, der für den Moment von lästigen Gefühlen befreit, bei dem ohne Anstrengung die Zeit verfliegt und man von irgendwem wachgerüttelt wird, der einen auf den Feierabend oder die bereits fertige Arbeit aufmerksam macht. Eie gewisse Leichtigkeit bringt das mit sich. An sich eine schöne Sache und wird anerkannt als das ideale Arbeitsklima bezeichnet – der Flow: die Richtige Mischung aus gesundem Stress ( positiv motivierte Aktivität) und Zeitdruck. Oder so ähnlich. Man ist fast wie in einem Rausch.

Eine Zeit lang in meinem Leben war ich froh über jeden dieser Flows, da sie für mich die einzige Form einer zumutbaren Arbeit darstellten (Und auch heute schätze ich sie noch.). Monate gingen so dahin und ein mir unerklärlich trauriger Gesichtsausdruck schlich sich immer öfter in mein Gesicht. In der Mittagspause saß ich dann mal beim Burgerkönig, aß vor mich hin, sah aus dem Fenster. Und da war sie wieder, diese grundlose Traurigkeit. Ich grübelte beim Essen darüber nach, aber verstand es nicht. Ich brauche nicht weiter ausholen, kurz gesprochen: es wurde immer schlimmer. Weitere Monate später fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das war ein Teil von mir, der in mir drin die ganze Zeit versucht hatte mir begreiflich zu machen: Ich bin kein Roboter! Lebe ich überhaupt noch?

Dann verschwand die Taurigkeit und auch diese Art meine Lebenszeit zu verschwenden.

Lebe jede Sekunde bewusst. Fühlt sie sich dann nicht gut an, dann tust du das Falsche. Es ist keine Lösung, die Gefühle dann weguuarbeiten, totzuschlagen. Denn was ich in mehrfachen teils brutal harten Lektionen in meinem Leben erkennen musste: Was du heute verdrängst kommt morgen in doppelter Ladung zurück. Mitten ins Gesicht. Du kannst vor nichts davonlaufen. Am wenigsten vor dir selbst.

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